Große Unterschiede zwischen Alpen und Rockies

Zum ersten Mal stand ich mit 7 Jahren auf Skiern. Seit dem Teenager-Alter fahre ich ziemlich regelmäßig Ski, alle ein bis zwei Jahre in den verschiedensten Alpenregionen in Österreich, der Schweiz oder Frankreich. Die kanadischen Rockies im Schnee kannte ich bisher noch nicht. Als ich im Oktober ein tolles Sonderangebot für einen Winterurlaub in den kanadischen Rockies sah, habe ich sofort gebucht. Die Skigebiete dort sind für ihren extrem trockenen, fluffigen Pulverschnee, den sogenannten Champagne Powder, bekannt, und den wollte ich unbedingt einmal ausprobieren.

Letzte Woche war es dann soweit und ich konnte die Skigebiete rund um unsere Unterkunft in Banff in der kanadischen Provinz Alberta kennenlernen. Aufgrund einer Erkältung musste ich mich mit dem Skifahren etwas einschränken, konnte so aber auch andere Ausflüge testen.

Dabei sind mir zahlreiche Unterschiede zu den Alpenregionen aufgefallen, die ich dir in einer Übersicht vorstellen möchte. Die beigefügte Bewertung ist zwar sehr persönlich, gibt dir aber einen Anhaltspunkt, was dich in einem Winterurlaub in den kanadischen Rockies erwartet.

Der Ort Banff

Banff ist der größte Ort im gleichnamigen National Park in der kanadischen Provinz Alberta (rd. 7.500 Einwohner). Er liegt auf rund 1400 Meter Höhe etwa 140 Kilometer westlich von Calgary am Trans-Canada Highway (Hwy. 1) und rund 60 Kilometer südöstlich vom bekannten Lake Louise, an dem der spektakuläre Icefields Parkway beginnt. In Banff findet man eine gute Grundversorgung mit Supermärkten, Arztpraxen, Shops und zahlreichen Restaurants, Pubs und Cafés. Die kleine Stadt ist bestens auf Touristen eingerichtet und verfügt über Hotels unterschiedlicher Kategorien und zwei Hostels direkt in der Stadt. In die umliegenden Skigebiete kommt man mit bequemen Komfortbussen (Sitzen, nicht stehen, Skier kommen in den Ladenraum), die regelmäßig und oft fahren.

Die Hotels in Banff

Wir waren im „Ptarmigan Inn“ direkt auf der Hauptstraße „Banff Avenue“ untergebracht. Es gehört laut tripadvisor zu den 10 besten Hotels in Banff. Das 3-Sterne-Hotel ist mit allem ausgestattet, was man üblicherweise erwarten kann: Saubere, großzügige Zimmer, teils mit Balkon, Frühstücksbüffet und sogar einer Küchentheke, an der der Koch auf Wunsch alle Arten von Eiergerichten (das Omelette mit Gemüse schmeckt echt lecker) frisch zubereitet, kleine Sauna und Whirl-Pool, Skikeller und Tiefgarage. Sehr angenehm ist die Bushaltestelle direkt vor dem Hotel. Von hier fahren in kurzen Abständen Skibusse ins nahe und die weiter weg gelegenen Skigebiete.

Die Skigebiete

Rund um Banff konnte ich drei Skigebiete testen.

  • Norquay – familiär und entspannt

    Nur 10 Minuten Busfahrt zum „Hausberg“ Mount Norquay, einem kleinen, sehr übersichtlichen Skigebiet, das auf mich einen extrem relaxten Eindruck machte. Wer nur mal 2-3 Stündchen Skifahren möchte, ist hier – besonders bei sonnigem Wetter – sehr gut aufgehoben. Vor allem, wenn man alleine unterwegs ist, kann man sich hier super zurechtfinden und nicht verfahren. Außer zahlreichen recht einfachen Pisten, gibt es einige sehr steile schwarze Buckelpisten. Weitere Infos zum Skigebiet: Norquay.

  • Sunshine Village – Fun auf unpräparierten Pisten

    Etwa eine halbe Stunde Fahrtzeit mit dem Skibus von Banff entfernt befindet sich das Skigebiet von „Sunshine Village“. Mit 12 Liften und etwas über 100 Pistenkilometer ist es ein übersichtliches Skigebiet, das für jeden Anspruch die passenden Pisten bietet. Viele davon werden nicht präpariert, was den Fahrspaß besonders bei Neuschnee erhöht. Allerdings weht hier im Januar ein eisiger Wind, weshalb man unbedingt eine Sturmmaske unter dem Helm tragen sollte (s. u. „Die beste Reisezeit“). Weitere Infos zum Skigebiet: Sunshine Village.

  • Lake Louise Skiresort – beste Aussichten

    Mit 45 Minuten Fahrtzeit (in Komfort-Bussen) zwar die längste Anfahrt, verfügt das Skigebiet oberhalb des spektakulären Touristen Hot Spots Lake Louise über die schönsten Pisten im Banff National Park. Es ist ungefähr so groß wie Sunshine Village, bietet zusätzlich aber wundervolle Aussichten in die Bergwelt der Rockies. Außerdem kann man in nur 15 Minuten mit einem Shuttle-Bus an den Lake Louise fahren (s. u. „Außerhalb der Pisten“). Weitere Infos zum Skigebiet: Lake Louise.

  • Heli-Skiing in British Columbia – macht süchtig

    Wer etwas tiefer in die Brieftasche greifen kann und will, sollte unbedingt einmal Heli-Skiing in den Rocky Mountains ausprobieren. Speziell die Regionen rund um den Mount Revelstoke und weiter südlich im Panorama Mountain Resort in der Provinz British Columbia gelten als ausgesprochen geeignet und verfügen über entsprechend große Mengen unberührten Champagne Powder Schnee, durch den man seine jungfräulichen Spuren ziehen kann. In Banff gibt es verschiedene Tagesausflugsangebote inklusive Anreise und Verpflegung.

    Foto: Stumböck Reisen

    Voraussetzungen sind neben dem nötigen Kleingeld: Gute Fitness und Tiefschnee-Fahrkönnen.  Da ich zu stark erkältet war, musste ich verzichten, konnte aber abends bei meinen Mitreisenden die Begeisterung erleben, die sie von ihrem Heli-Skitag mitbrachten. Alle waren sich einig, der Suchtfaktor ist extrem hoch. Weitere Infos zum Panorama Mountain Resort.

Generell kann man in den kanadischen Skigebieten auch neben den präparierten Pisten einfach durch den Wald fahren. Selbst wenn man dort dem Bewuchs mit den scharfkantigen Skiern schaden könnte, nehmen die Kanadier das nicht so eng. Vermutlich weil sie meinen, sie hätten ja genug Wälder.

Die Lifte

Die größte Überraschung war für mich die technische Ausstattung der Lifte, die mich an die 1990er Jahre in den Alpenregionen erinnert. Nur ein einziger Sessellift hatte eine Schutzhaube, die meisten Lifte verfügten noch nicht einmal über eine Skiablage. Das heißt, die Beine baumeln samt Skischuh und Ski in der Luft. Bei längeren Fahrten in eisiger Kälte und mit Wind kann die Fahrt ganz schon ungemütlich werden. Von High-Tech-Liften und -Gondeln kann in den Skigebieten, die ich kennenlernte also keine Rede sein. Das solltest du auf jeden Fall bei der Urlaubsplanung berücksichtigen und ggf. in andere Skigebiete ausweichen, wenn dir der technische Komfort der Lifte wichtig ist. Positiv war hingegen, das der Skipass meistens nur einmal an der Basisstation gescannt wird und man von da an jeden Lift und jede Gondel ohne weitere Kontrolle nutzen kann. Noch ein Vorteil: An keinem einzigen Lift musst du anstehen, weil es nirgends crowdy ist.

Die Hütten

Schon vorher war mir klar: Hüttenfeeling und Aprés Ski wie in Österreich darf man in nordamerikanischen Skigebieten nicht erwarten. Obwohl ich das wusste, hatte ich es mir doch ein bisschen gemütlicher vorgestellt. Die sogenannten „Lodges“ sind in den kanadischen Rockies zwar meistens aus Holz und von außen auch schön anzusehen. Innen sind es aber einfach nur große „Abfertigungshallen“, die keinerlei Gemütlichkeit ausstrahlen. Die Lodges in Lake Louise, Sunshine Village und Norquay bestehen aus einem einzigen, riesigen Raum mit Kantine, die in der Hauptsache Burger und Pommes anbietet. Das Schlimmste (für mich): Jedes Gericht wird in Plastik- oder Styroporbehältern gereicht, egal ob man vor Ort isst oder nicht. Selbst eine kleine Suppe gibt es nur im Pappbecher. Was hier tagtäglich an Müll anfällt, möchte ich mir nicht mal ansatzweise vorstellen. Selbst auf meine Frage im integrierten Starbucks Café, ob sie auch „a real cup“ hätten, bekam ich nur ein verständnisloses Lächeln als Antwort.

Das solltest du wissen: Gemütlich kleine Skihütten mit Kamin und idyllischer Außenterrasse, wo man mit Glück sogar vom Hüttenwirt persönlich mit Jagertee oder Germknödel verwöhnt wird, sucht man in den kanadischen Skigebieten vergebens. „Hüttenzauber“ gibt es hier schlichtweg nicht. Dafür findet man immer einen Platz und muss nirgends lange anstehen.

Das Essen

Der Kanadier bzw. der Nordamerikaner mag gern Fleisch, das merkt man an jeder Ecke. Besonders in den Lodges der Skigebiete gibt es Burger-Gerichte ohne Ende. Daneben ist „Poutine“ ein Leibgericht der Kanadier: ein Berg Pommes mit Bratensoße und darüber ein fetter Käsebelag! Das lieben sie. Warme Süßspeisen in der Art eines Kaiserschmarrn habe ich nirgends gesehen. Wenigstens gab es in Norquay Salat (in einer Plastikpackung) und Carrot Cake. Das schmeckte sogar ganz gut. Ansonsten haben es die typischen winterlichen Süßspeisen aus den Alpen (z. B. Germknödel oder Zwetschgenknödel) noch nicht über den großen Teich geschafft. Was mich wundert, denn in Banff und Umgebung leben sehr viele Auswanderer aus Deutschland, der Schweiz und Österreich.

Auf der Hauptstraße von Banff gibt es zahllose Restaurants und Pubs. Vor allem Steakhäuser dominieren das Stadtbild. Daneben findet man Lokale wie z. B. das Old Spaghetti House, einen Balkan-Grill (mit griechisch-türkisch-spanischem Gerichte-Mix), Sportbars und Pubs, in denen man vor allem Burger isst. Das beste Dinner während meines Aufenthaltes hatte ich im „Maple Leaf“-Restaurant. Die köstlichen Fischgerichte aus kanadischen Jagdgründen sind zwar recht teuer (ich hatte eine wunderbare Forelle), sie sind aber jeden Cent wert. Außerdem kann ich das Café „Wild Flower“ in der Fußgängerzone empfehlen (geöffnet von 7 bis 16 Uhr).

Außerhalb der Pisten

Wie schon erwähnt, litt ich während meiner Skiwoche in den kanadischen Rockies unter einer starken Erkältung. Gepaart mit der trockenen Kälte, die Temperaturen fielen gegen Ende der Woche tagsüber bis auf -15 Grad ab, fanden meine Schleimhäute das nicht so lustig. So habe ich oft nach einem halben Skitag einen weniger anstrengenden Ausflug oder Spaziergang unternommen und dabei entdeckt, dass man auch ohne Skier einiges erleben kann.

  • Banff Springs Hotel, Bow River und Hot Springs

    In und um Banff kannst du dir im Winter auch ohne Skifahren gut die Zeit vertreiben. Zum Beispiel erreichst du in ca. 20 Minuten zu Fuß das berühmte Banff Springs Hotel. Dort kannst du bei einer Self-guided Tour (einfach an der Rezeption nach dem Tour-Flyer fragen) durch das Hotel das beeindruckende Interieur entdecken und im Tea Room einen Five-o´clock-Tea mit allem Drum-und-Dran genießen. Dauer insgesamt: ca. ½ Tag.

    Entlang des zugefrorenen Bow River kann man größere Spaziergänge unternehmen oder mit den Langlaufskiern durch die Loipen ziehen. Auch hier ist ein ½ Tag anzusetzen. Eine kleine (etwa 1 Std.) Wanderung zu den heißen Thermalquellen oberhalb von Banff, den Banff Upper Hot Springs, lohnt sich ebenfalls. Badehose bzw. Badeanzug und ein Handtuch mitnehmen und für ein halbes Stündchen in den 39 Grad heißen Hot Springs genüsslich im Freien baden, idealerweise mit guter Fernsicht auf die schneebedeckten Berge. Eintritt für Erwachsene: 7,50 CADDarüber hinaus gibt das Banff Park Museum einen Eindruck von den im Nationalpark vorkommenden Tieren. Sorgsam präpariert und gut beschrieben kann man sich gut vorstellen, wie es ist, wenn ein ausgewachsener Bär vor einem steht. Eintritt für Erwachsene: 3,90 CAD

  • Lake Louise mit dem Fairmont Chateau Lake Louise Hotel

    Am letzten Urlaubstag fiel das Thermometer auf -15 Grad. Es war eisig kalt und schneite leicht. Deshalb entschied ich mich, meinen Hals und die Nase zu schonen und bin mit dem Skibus (ohne Skiausrüstung) von Banff zunächst zum Lake Louise Skiresort und von dort mit einem Shuttlebus (15 Min. Fahrt) zum eigentlichen Lake Louise gefahren. Denn jedes Jahr im Januar findet das Banff Lake Louise Ice Magic Festival vor der beeindruckenden Hotelkulisse statt. Eintritt für Erwachsene: 12,50 CAD
    Nachdem ich die gigantischen Eisskulpturen besichtigt und an der Eisbar ein „Kaltgetränk“ zu mir genommen hatte, bin ich mitten über den komplett zugefrorenen See (bis 70 Meter tief und zu dieser Zeit mit einer fast 3 Meter dicken Eisschicht bedeckt) zwischen den mächtigen Bergen rechts und links bis zum hinteren Ende gelaufen (ca. 40 Min. eine Strecke). Dort erwartete mich ein 3-kaskadiger gefrorener Wasserfall, in dem sich Eiskletterer vergnügten. Ein absolut empfehlenswerter Ausflug, vor allem weil bei der Wanderung über den See eine ganz besondere Stille herrscht und man lediglich die eigenen knirschenden Schritte durch den Schnee (auf dem Eis) und ab und zu das Gemurmel der entgegenkommenden Wanderer hört.

Weitere Aktivitäten in den kanadischen Rockies sind Schneeschuhwandern, Cross country/Langlauf, Eisklettern, Catskiing, Hundeschlitten fahren oder Fat biking. Mehr Infos dazu unter Canada West.

Die Kosten

Ich hatte das Glück, an einer Expedientenreise teilnehmen zu können, die bei mir inklusive Flug, Hotel, Essen, Getränke, Skiverleih, Skibusse, Skipass und Eintrittsgelder nur mit insgesamt 1.500 Euro zu Buche schlug. Normalerweise musst du bei einem solchen Winterurlaub mit dem doppelten Preis rechnen. Willst du dann auch noch einen Tag Heli-Skiing ausprobieren, kommen weitere 600 bis 800 Euro hinzu (je nach Anzahl der Flüge). Ein ganzer Heliskiing-Urlaub (7 bis 9 Tage) kostet mind. 5000 Euro.

Die Preise vor Ort halten sich im Rahmen. Obst, Joghurt oder Gemüse kosten in den nordamerikanischen Supermärkten generell mehr als in Deutschland.

Die beste Reisezeit

Während meines Aufenthaltes Ende Januar herrschten große Temperaturunterschiede von -3 bis -15 Grad Celcius. Wie mir die Skiguides vor Ort erklärten, kann es im Januar an einem Tag Temperaturschwankungen von 10 Grad geben. Der Januar wird auch in Klimatabellen als kältester Monat im Jahr ausgewiesen. Außerdem fiel eine Menge Neuschnee und die Sonne kam nur an zwei Tagen zum Vorschein.

Bessere Reisezeiten für Skifahrer, die mehr Sonne und weniger Kälte in den Rocky Mountains bevorzugen, sind Februar und März – so ähnlich ist es auch in den Alpenregionen. Dann ist es nicht mehr so kalt und die Sonne zeigt sich öfter.

Die Wintersportsaison endet vielerorts in den kanadischen Rockies erst im Mai.

Konnte ich dir einige Anregungen für einen Winterurlaub in den kanadischen Rockies geben? Warst du selbst schon in Kanada zum Skifahren? Dann freue mich auf weitere Tipps, Fragen und deinen Kommentar!

Alle Fotos © Simone Blaschke

Reisezeit: 21.-29.01.2018