Kurze Anreise, gutes Essen und in fremde Kulturen eintauchen. Genau das habe ich letztes Wochenende bei einem Kurztrip nach Äthiopien erlebt. Mal schnell nach Äthiopien reisen? Wie soll das denn gehen, fragst du dich jetzt bestimmt? Na gut, es war eher ein kulinarischer Ausflug in die äthiopische Küche. Da ich mir momentan keine Fernreise in dieses wunderbare Land leisten kann, habe ich eben erst einmal ein äthiopisches Restaurant in Bonn ausprobiert und einen Abend lang die landestypischen Speisen genossen. Im ersten Artikel des Jahres in meiner Rubrik „Kultding des Monats“ nehme ich dich mit auf diesen kleinen Kurztrip, bei dem du vielleicht auch auf den Geschmack kommst.

Wie schmeckt eigentlich äthiopisches Essen?

Immer wenn ich mit der Straßenbahn in die Bonner City fahre, komme ich an diesem Restaurant mit dem Schild „Roha – The real Ethopian taste“ vorbei. Durch die großen Fensterscheiben sehe ich einen bunt erleuchteten Raum und reges Treiben an den voll besetzten Tischen. Jedes Mal frage ich mich: Wie schmeckt äthiopisches Essen?

Vergangenes Wochenende fand ich die Zeit, dieser Frage endlich nachzugehen. Dieses Mal stieg ich eine Haltestelle früher als üblich aus, begleitet von meinem experimentierfreudigen Lebens- und Reisepartner, der sich kulinarisch genauso gerne auf Neues einlässt wie ich. Spontan und ohne Reservierung versuchten wir unser Glück. Wir hätten es ahnen müssen: Was gut ist, spricht sich herum. Der Laden war brechend voll, wie beinahe jeden Abend.

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Blick ins Restaurant Roha. Im Hintergrund lächelt uns der Gastgeber an.

Bevor wir uns etwas enttäuscht zum Gehen umdrehen wollten, kam uns schon ein herzlich lächelnder Kellner mit ausgebreiteten Armen entgegen, dem Aussehen nach äthiopischer Herkunft, und gab uns durch seine Geste zu verstehen: Wir finden schon eine Lösung. Und die hieß: „Kleine Zimmer hinten“. Wir folgten ihm in besagten Nebenraum, wo er uns auf Englisch erklärte, dass wir es uns an einem langen Tisch mit anderen Gästen gemütlich machen sollten. Dieser Teil des Restaurants liegt zwar etwas abseits des Geschehens, doch es gibt viel zu sehen. Zahlreiche Utensilien aus dem Heimatland der Gastgeber hängen an den Wänden, der Decke und in einer Vitrine: Taschen und Instrumente aus Leder, bunte Umhänge und Bastkörbe, wie sie für Speisen verwendet werden. Schon kurze Zeit später begrüßte uns ein weiterer Kellner ebenso herzlich wie sein Kollege und gab uns die Speisekarte mit den exotischen Speisen und Getränken aus Äthiopien.

Von der Hand in den Mund: In Äthiopien isst man mit den Fingern

Wir bestellten den Teller „Roha Spezial“ für 2 Personen mit einer Auswahl typisch äthiopischer Speisen, darunter Menchetabesh und Key Wot mit vegetarischer Beilage. Bevor das Essen im sogenannten Messob, einem runden, flachen, geflochtenen Korb mit passendem Deckel(hütchen) zum Warmhalten serviert wird, hieß es Hände waschen. Das Ritual funktioniert so: Der Kellner bringt zuerst ein kleines Handtuch, das er mit einer Zange überreicht. Anschließend kommt er mit einer Kanne Wasser und einer Schüssel an den Tisch. Man reibt die Hände über der Schüssel, während er vorsichtig Wasser darüber gießt. Mit dem kleinen Handtuch trocknet man anschließend die Hände ab. Das ist wichtig, denn in Äthiopien isst man mit den Fingern. Das säuerliche Fladenbrot Injera, das aus dem einheimischen Getreide Tef hergestellt wird, ist zugleich Beilage, Teller und Besteck.

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Das äthiopische Fladenbrot ist Besteck, Teller und Beilage in einem.

Der Kellner zeigt uns, wie man ein Stückchen Fladenbrot abrupft und damit die typischen Speisen der äthiopischen Küche aufnimmt und in den Mund steckt. Dazu gehört zum Beispiel Shiro Wot, ein vegetarischer Brei aus gemahlenen Kichererbsen. Aber auch Bohnen, Linsen, verschiedene Kohlsorten und Kartoffeln sind dabei. In der Mitte unseres Spezialitätentellers befindet sich eine Portion scharfes Rindfleisch mit einem hartgekochten Ei. Am auffälligsten ist, dass fast alles in einer Art Soßenform (Wot) gereicht wird und gut mit dem Fladenbrot aufgenommen werden kann.

Berbere ist das Gewürz für das besondere Aroma

Äthiopische Gerichte fallen übrigens durch ein typisches Aroma auf, das sie durch spezielle Gewürze erhalten. Das wichtigste ist Berbere, eine sehr (sehr) scharfe Gewürzmischung auf Peperoni-Basis. Berbere darf in der äthiopischen Küche nicht fehlen. Das Fleisch auf unserem Teller hat der Koch vermutlich großzügig gewürzt, denn mir traten nach dem ersten Bissen sofort die Tränen in die Augen.

Äthiopische Kaffeezeremonie zum krönenden Abschluss

Honigwein (Tijj) und Hirsebier (St. Georg) zählen zu den traditionellen äthiopischen Getränken und stehen auch im „Roha“ in der Menükarte. Das eigentliche Nationalgetränk aber ist der Kaffee. Äthiopien gilt als Wiege des Kaffees. Seit mehr als 500 Jahren wird in Äthiopien die Kaffeezubereitung zelebriert und sie ist bis heute fester Bestandteil des täglichen Lebens. An diesem Abend bildete er den Abschluss unseres kulinarischen Ausflugs nach Äthiopien, begleitet vom Geruch nach Weihrauch. Er verleiht die nötige zeremonielle Atmosphäre.

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Äthiopischer Kaffee mit Weihrauch für die typische Atmosphäre.

Äthiopien für alle Sinne

Schon mein kleiner kulinarischer Abstecher ins äthiopische Restaurant Roha hat mich für ein paar Stunden in eine andere Welt entführt. Wie wunderbar, sich durch die Vielfalt der internationalen Küche Kulturen und Menschen zu nähern und sie so besser zu verstehen und mehr über ihr Herkunftsland zu erfahren. So bewusst suche ich jetzt öfter nach neuen Restaurants in meiner Umgebung.

Welche kulinarische Spezialität hat dich in eine andere Welt entführt? Hast du einen Restaurant-Tipp für mich? Schreibe mir einen Kommentar unter diesen Beitrag! Folge mir auch gerne auf Facebook und Instagram undTwitter!

Kult[ur]-Wissen
ROHA – heilige Stadt und Wallfahrtsort in Äthiopien

Auf ihrer Homepage erläutern die Betreiber den Namen ihres Restaurants. Roha ist der ehemalige Name für das heutige Lalibela (auch Neu-Jerusalem), dem wichtigsten Wallfahrtsort in Äthiopien. In der heiligen Stadt auf 2.500 Meter Höhe im Norden des Landes leben aktuell etwa 23 000 Einwohner, die meisten davon sind äthiopisch-orthodoxe Christen. Sie pilgern sonntags über staubige Straßen zu den berühmten elf, in roten Tuffstein gehauenen Felsenkirchen. Das vermutlich meist fotografierte Motiv in Äthiopien ist die Kirche des Heiligen Georg, die 13 Meter tief in das rote Magmagestein geschlagen wurde. Nach ihm wurde auch das Hirsebier im „Roha“ benannt.
Auch meine Bloggerkollegin Frauke von we2ontour schwärmt von diesem magischen Ort. Sie war im Dezember dort und berichtete uns vom unglaublichen Anblick dieser fast 800 Jahre alten einzigartigen Felsenkirche.

Das Restaurant & Café Roha in Bonn hat mich weder eingeladen noch gebeten, über sie zu schreiben.

[Unbezahlte Werbung] Äthiopien steht ab jetzt auf meiner Reiseliste. Bis es soweit ist, lese ich die spannenden Berichte und Tipps von Reisebloggern, die schon da waren, auf CONNTRIP – Deine Plattform für Reiseinspiration.

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Alle Fotos © Simone Blaschke