Lanzarote – Lavainsel zum Verlieben

Als ich auf Lanzarote ankam, fielen mir zuallererst die Farben dieser Insel auf. Es dominieren das Braun und Schwarz der kargen Vulkanlandschaften und endlosen Lavafelder. Dazwischen die stechend weißen Häuser und ab und zu kleine Flecken hellgrüne Vegetation.schwarz-weiss-gruen_typisch-lanzarote_simone-blaschke

Spontan dachte ich zuerst: Oh, Mann, was für eine unwirtliche Einöde. Doch schon nach wenigen Stunden wickelte mich die eigentümliche, bizarre Landschaft um den Finger. Genau in dieser Einzigartigkeit muss das Geheimnis von Lanzarote liegen. Das unterscheidet sie von den anderen Kanarischen Inseln.

Geheimnisvolle Kanareninsel aus Vulkanen geformt

Lanzarote ist zusammen mit ihrer Nachbarinsel Fuerteventura die älteste der Kanaren. Sie entstanden vor rund 20 Millionen Jahren. Damals brach die Erdkruste zwischen der afrikanische und amerikanische Kontinentalplatte auf und schleuderte unfassbare Mengen Magma in die Atmosphäre. Danach brodelt es unter der Insel immer wieder. Zuletzt überschütteten zwischen 1730 und 1736 heftige Vulkanausbrüche die Insel mit Lavamassen. Die Aufzeichnungen eines Pfarrers vom 1. September 1730 belegen, dass an einem einzigen Tag mehr als 30 Vulkane im Umkreis von 20 Kilometern ausbrachen und fast ein Viertel der Insel unter riesigen Asche- und Lavamassen begruben. Diese sogenannten Montañas del Fuego, auf Deutsch „Feuerberge“ stehen im 1974 gegründeten Timanfaya-Nationalparks im Südwesten der Insel.

Timanfaya-Nationalpark und El Golfo

Um die Entstehung von Lanzarote zu begreifen, solltest du dir unbedingt den Timanfaya-Nationalpark anschauen. Mit einem Mietwagen bist du auf der nur 58 Kilometer langen und an ihrer breitesten Stelle 34 Kilometer breiten Insel super flexibel. Im Nationalpark parkst du auf dem großen Parkplatz vor dem Restaurant El Diabolo (Architekt: César Manrique). Von dort aus starten in regelmäßigen Abständen Busse, die durch das Gelände fahren. Eine andere Möglichkeit, die geologische Schönheit der Vulkane aus der Nähe zu sehen, gibt es nicht. Deshalb kann ich die etwa halbstündige Busfahrt mit Erklärungen (auch auf Deutsch) absolut empfehlen.

Dass es nach wie vor in nur wenigen Metern Tiefe rund 600ºC heiß ist, demonstrieren Fremdenführer an Erdlöchern. Sie werfen Reisigbüschel hinein, die sofort in hohen Stichflammen aufgehen. Der totale Wow-Effekt. Diese Hitze nutzt sogar der Koch im Restaurant El Diablo und grillt Fleischspieße auf einem Grill über der Hitze des Vulkans.

Unseren Tagesausflug in den Timanfaya-Nationalpark haben wir mit einem Abstecher in die weiter südlich gelegene grüne Lagune El Golfo verbunden. Die schüsselförmige Umrandung eines zur Hälfte im Meer versunkenen Kraterkessel bildete die Lagune. Direkt am schwarzen Lavastrand des kleinen Ortes liegen einige kleine Fischrestaurants. Ich brauchte nicht lange überlegen. An einem Tisch direkt am Meer ließen wir uns den fangfrischen Fisch und großartigen Wein von der Insel schmecken. Sonnenuntergang inklusive.

Weniger Touristen in der Inselmitte und im Norden

Die meisten Badeurlauber zieht es in den Süden und Osten von Lanzarote. Pauschaltouristen finden an den „goldenen“ Traumstränden rund um Playa Blanca oder in der touristischen Hochburg Costa Teguise an der Ostküste, was sie suchen. Mir gefällt der ruhigere Norden und die Inselmitte mit ihrer kultureller Ursprünglichkeit wesentlich besser. Die fast 600 Jahre alte königliche Stadt Teguise (Real Villa) Lanzarote_Teguise_BlaschkePRmit ihren Adelshäusern, prächtigen Kirchen und Plätzen, engen Gässchen mit kleinen Lokalen und Boutiqen versprüht den Spirit der Kolonialzeit.

Aber Achtung: Sonntags rollen die Touristenbusse aus den Küstenorten zum Markttag in Teguise an. Dann platzt das 17.000 Einwohner Städtchen im Zentrum der Insel kurzzeitig aus allen Nähten.

Haría im Tal der tausend Palmen

Unsere kleine, feine Unterkunft (Infos s.u.) lag in Haría im Norden der Insel. 5000 Einwohner zählt der Ort unterhalb der Famara-Berge. Die flachen, weißen Häuser und Villen sind umrahmt von unzähligen Kanarischen Palmen. Daher die Bezeichnung „Tal der tausend Palmen“. Das unaufgeregte Örtchen ist der perfekte Ausgangspunkt für Tagestrips. An Markttagen macht es Spaß, bei einem Café con leche das bunte Treiben auf dem Dorfplatz zu beobachten. Auch der berühmteste Sohn der Insel, der Künstler, Architekt und Umweltaktivist César Manrique baute sich hier seinen Altersruhesitz. Seine Villa mit angeschlossenem Atelier zu besichtigen, lohnt sich.Lanzarote_Haria mit Palmen_Bettina Bork

La Geria – Weinanbau auf Lava

Auf Lanzarote kann man einfach drauf los fahren. Gerade im Inselinneren sind die kleinen Straßen am vielversprechendsten. Ich bin einfach irgendwo abgebogen und stand plötzlich mitten im Weinanbaugebiet La Geria. Dort gedeihen die Reben auf schwarzen Lavafeldern, geschützt hinter halbkreisförmig aufgetürmten Mäuerchen. An der schönsten „Weinstraße der Welt“, wie ich finde, liegen kleine Kellereien, in denen man direkt vor Ort die hervorragenden und zum Teil preisgekrönten Weine verkosten kann.Lanzarote_Weinfelder La Geria_BlaschkePR

Lanzarote ist so herrlich anders

Trotz ihrer geringen Größe von 60 mal 20 Kilometer ist die Kanareninsel Lanzarote unglaublich spannend und vielfältig. Science-Fiction ähnlich muten die erstarrten Lavafelder an. Charmant liegen die vielen kleinen Dörfer mit ihren weiß getünchten Häusern zwischen den Vulkanbergen und an den Küsten. Die Sandstrände laden zum Baden und (Kite-)Surfen ein, und kulinarisch bietet die Gastronomie auf Lanzarote eine riesige Auswahl typisch kanarischer Speisen und Getränke. Diese Insel ist einfach herrlich anders!

Kult(ur)tipp: César Manrique und Bettina Bork

Dank des unerschütterlichen Engagements des einheimischen Malers und Architekten César Manrique für den Umweltschutz entstanden auf fast 70 Prozent der Insel zahlreiche Naturschutzgebiete und der Nationalpark Timanfaya. Dafür erhielt Lanzarote im Jahr 1993 die Auszeichnung als UNESCO-Biosphärenreservat. Seit seinem Tod führen die Mitglieder der 1982 gegründeten Stiftung „Fundación César Manrique“ die Arbeit des Künstlers fort. Eine enge Beraterin des Netzwerkbüros und Manrique-Beauftragte der ACEL ist Bettina Bork. Die Deutsche, die seit 30 Jahren auf der Insel lebt und arbeitet, verbreitet Manriques Wissen in ganz Europa.

In ihrem Wohnort Haría hat sie das Kulturzentrum Arte de Obra mit individuell gestalteten Zimmern und Apartments errichtet.

Reise 2014