Ehemaliger Regierungsbunker im Ahrtal

Unter den Weinbergen im schönen Ahrteil bei Bonn befindet sich ein Stück deutsche Geschichte. Ein Tunnelsystem von 17,3 Kilometer Länge beherbergt den ehemaligen Regierungsbunker der Bundesregierung. Von der Außenwelt abgeschottet unterlag der unterirdische Mammutbau noch bis vor wenigen Jahren strengster Geheimhaltungsstufe. Erst 2008 wurde der 1971 fertiggestellte Atomschutzbunker als Dokumentationsstätte für Besucher geöffnet. Wenn ihr in der Nähe seid, solltet ihr euch den Bunker unbedingt anschauen. Etwa 200 Meter sind erhalten und können besichtigt werden.

Ehem. Tunnelsystem 17,3 km

Ehemaliges Tunnelsystem 17,3 km

Ausweichsitz für Verfassungsorgane

Die 1,5-stündige Führung ist interessanter als jede Geschichststunde in der Schule. Der „Ausweichsitz der Verfassungsorgane“, wie der Atombunker offiziell genannt wurde, diente in erster Linie dem Überleben der Bundesregierung inklusive Präsident und Kanzler. Darüber hinaus sollten wichtige strategische und militärische Entscheider, Soldaten, Funker, Presseleute, Handwerker usw. untergebracht werden. Keine Familien, kaum Frauen. Ich frage mich, wie so das Fortbestehen der Bevölkerung gesichert werden sollte? Abgesehen von der absurden Idee, überhaupt einen Anschlag mit Atomwaffen unbeschadet zu überstehen, wissen wir doch spätestens seit der Nuklearkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl 1986, dass atomare Strahlung selbst nach 30 Tage noch verheerende Schäden anrichtet.

Eisenbahntunnel ideal für Bunkersystem

Als das federführende Bundesinnenministerium 1962 den Bau beauftragte, dachte man darüber wohl noch anders. Also wurde nach einem geeigneten Standort gesucht.

Zwei Eisenbahntunnel im Ahrtal, nahe genug zum Regierungssitz in Bonn, schienen geeignet. Sie dienten als Ausgangspunkte für den Bunker, der zum Teil über 100 Meter unter der Erde lag. Am Ende beherbergte er 936 Schlafplätze, 897 Büroräume sowie jeweils ein Zimmer für den Bundeskanzler und das Bundespräsidialamt.

Regierungsbunker Tunnel_Blaschke PR

Am Ende des Tunnels

Klappe zu…

Gleich beim ersten Stopp am 25 Tonnen (!) schweren Eingangstor wird das ganze Ausmaß dieses monumentalen unterirdischen Bauwerks deutlich. Dieses Tor sollte im Fall eines Atomkriegs in nur zehn Sekunden elektronisch verschlossen werden. Wer nicht schnell genug war, hatte keine Chance mehr, in das Innere des Bunkers zu gelangen.

Bunkertür

Bunkertür – Klappe zu in 10 Sekunden

Erste Hilfe und TV-Studio

Ab diesem Zeitpunkt war die Versorgung für 3000 Menschen und 30 Tage gesichert. Angeblich. Glücklicherweise ist der Ernstfall ja nie eintreten. In dem unterirdischen Tunnelsystem gab es von Essensvorräten über Dieselmaschinen, Wassertanks bis zu Gasmasken und einer Erste Hilfe-Station wirklich alles.

Sogar ein eigenes TV-Studio baute man ein, um beispielsweise eine Regierungserklärung zu übertragen. Heute frage ich mich natürlich, für wen? Die Menschen draußen wären im Ernstfall durch die atomare Strahlung längst tot gewesen.

Du hast die Haare schön

Selbst an eine professionell eingerichtete Frisierecke hatten die Planer gedacht. Fragt ihr euch auch: Was interessiert mich im Fall eines Atomkriegs, ob die Haare schön sind? Die Erklärung klingt so banal wie absurd. Es ging ganz einfach darum, den Schein des „Alltags“ zu wahren und nicht in Panik zu geraten.

Damast-Bettwäsche für den Bundeskanzler

Auf dem Rückweg warfen wir noch einen Blick in die Schlafkojen, Miniräume mit jeweils zwei Etagenbetten. Nur dem Bundeskanzler blieb ein größeres Zimmer vorbehalten. Auffällig: Sein Bettzeug bestand aus feinstem Damast. Auch unterirdisch wurde die Rangfolge aufrecht erhalten.


Der Besuch der Dokumentationsstätte Regierungsbunker im Ahrtal ist absolut empfehlenswert. Geöffnet zwischen März und November, jeweils Mittwoch, Samstag, Sonntag und an gesetzlichen Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Die Führung dauert 90 Minuten.

Habt ihr schon einmal den Regierungsbunker oder einen anderen  Atomschutzbunker besichtigt? Was sind eure Erfahrungen? Schreibt mir gerne eure Kommentare.

Regierungsbunker für 3000 Menschen 5Besichtigung 2016