Weihnachten selbst wäre doch halb so schön, wenn es nicht in der Zeit davor den Weihnachtsmarkt gäbe. Genau der ist einer der beliebtesten Treffpunkte in der Adventszeit. Immer populärer wird die mittelalterliche Variante. Warst du schon einmal auf einem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt und hast statt Glühwein Met getrunken? Ich wollte wissen, welche Faszination ein mittelalterlicher Weihnachtsmarkt ausübt und habe den Mittelaltermarkt in Siegburg bei Bonn besucht.

Warum der mittelalterliche Weihnachtsmarkt so beliebt ist

Bis zu 3000 Weihnachtsmärkte, auch Christkindlmarkt oder Adventsmarkt genannt, soll es in Deutschland geben. Etwa 10 Prozent davon sind mittelalterlich gestaltet und üben dadurch eine spezielle Anziehungskraft aus. Warum eigentlich?

Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt in Siegburg #Kultding des Monats Dezember 1

Originalgetreue Kulisse und Kleidung

Authentisch nachgebaute Marktstände mit Laternen und Fackellicht, originalgetreu gekleidete Händler und Handwerker, und Künstler, die mit artistischen Kunststücken und ungewohnt klingenden Instrumenten die Leute unterhalten. Wer einen mittelalterlichen Weihnachtsmarkt besucht, findet die mysthische Atmosphäre bei anbrechender Dunkelheit besonders faszinierend.

Originalgetreue Kleidung und Instrumente aus dem Mittelalter (Foto Kultreiseblog)

„Murkeley“ bieten musikalische Kurzweyl mit Tanzeinlagen.

Gaukler, Feuerspucker und Artisten

Passend zur damaligen Zeit zeigen Gaukler, Feuerspucker und Artisten, was sie drauf haben. Wie im späten Mittelalter, als das Leben des gemeinen Volkes hart und entbehrungsreich war, sorgen sie für gute Laune und Unterhaltung. Sie jonglieren, machen Witze und artistische Kunststücke oder spielen Schalmei, Trommel und Sackpfeiffe. Viele der alten Instrumente sind heutzutage kaum noch bekannt. Du kannst die Künstler ruhig ansprechen, sie erklären gerne, wie die Instrumente funktionieren. Auf dem Siegburger Weihnachtsmarkt gibt übrigens es jeden Tag (zw. 23.11. und 22.12.) ein prall gefülltes Unterhaltungsprogramm.

Gaukler Lupus spielt auf dem Siegburger Weihnachtsmarkt mit dem Feuer. (Foto Kultreiseblog)

Gaukler Lupus spielt mit dem Feuer.

Handwerk und Handel wie im Mittelalter

Feuer bildete im Mittelalter die zentrale Quelle für Handwerkskunst vom Schmieden bis zum Brotbacken. Originalgetreu gekleidete Handwerker zeigen auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg die alten Bräuche an verschiedenen Ständen. Das Brot wird in einem Steinofen mit offenem Feuer gebacken. Auch andere Berufe wie der Steinmetz, Drechsler, Filzer oder Seiler präsentieren, wie sie ohne Elektrizität ihr Handwerk ausüben.

Drechseln wie im Mittelalter (Foto Kultreiseblog)

Drechsler bei der Arbeit.

Die sogenannten „fliegenden Händler“ kamen damals aus aller Herren Länder und boten ihre Waren feil (mittelalterlich „feilbieten“ bedeutet offerieren, anbieten). Entsprechend findet man auch auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg Seifenhändler, Anbieter von Edelsteinen, Tuchwaren, Fell, Gewürzen und Schmuck. Auch ein Quacksalber ist dabei und mischt verschiedenste Heilmittelchen.

Ein Fellmacher bietet seine Ware feil auf dem Mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg (Foto Kultreiseblog)

Der Fellmacher „Piratenschaf“ bietet seine Ware feil.

Wenn du kurzfristig noch ein originelles Weihnachtsgeschenk suchst, wirst du auf dem Mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg bestimmt was finden.

Speis und Trank

Was darf bei einem traditionellen Weihnachtsmarkt nicht fehlen? Natürlich reichlich zu essen und zu trinken. Während beim üblichen Weihnachtsmarkt Glühwein und Bratwurst verspeist wird, findest du auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt auch noch andere Angebote für das „leibliche Wohl“. Es erwartet dich eine Mischung aus rustikalen und orientalischen Speisen, darunter Spanferkel, Fladenbrot, Suppen und feinstes Gebäck aus dem Morgenland. Zu Trinken gibt es alles, aber ich empfehle dir, den Honigwein „Met“ aus einem Tonbecher zu probieren. Historisch stammt das Getränk aus Vorderasien und kam im Mittelalter auf dem Handelsweg nach Deutschland.

Met ist ein Honigwein, der mit Gewürzen verfeinert wird. Einfach mal probieren! (Foto Kultreiseblog)

Met ist ein Honigwein, der mit Gewürzen verfeinert wird. Probier mal!

Zum Schmunzeln brachte mich dieser Spruch zum Biertrinken (Quelle: Homepage des Siegburger Weihnachtsmarktes):

Das teutsche Mannsbild liebt das Pier. Es ist das Gülden Nass, das jeden Festtag krönt und umso besser mundet wenn freundlich Mägde es kredenzen.

Wenn du dich für weitere Weihnachtsbräuche interessierst, lies gerne auch meinen Beitrag zur Blogparade „Weihnachten in anderen Ländern: Blogger berichten aus aller Welt“.

Besonderheiten auf dem Mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg

Mythen und Legenden mit regionalem Bezug

Auf dem Mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg werden speziellen Führungen angeboten, bei denen städtische und regionale Legenden erzählt werden. Außerdem wird auf die besondere Bedeutung von Siegburg als mittelalterlicher Wallfahrtsort und der damals stattfindenden Wallfahrtsmärkte eingegangen. Während des Weihnachtsmarktes wird jeden Samstag ein Pilgerzug dargestellt und sonntags ein historisch überliefertes Nikolausspiel aufgeführt, begleitet von einem Lichterzug mit Fackeln und Kerzen.

Es wird mittelhochdeutsch gesprochen

Während ich über den Weihnachtsmarkt lief, hörte ich Sätze wie „Hier wird Kurzweyl feil geboten.“ Oder es fielen Begriffe wie „Kramer“ (auch Krämer, gemeint sind Händler) oder „Zünftler“ (Handwerker). Außerdem gibt es „Speis und Trank“ und man verlangt drei Taler (Euro) für einen Becher Met. Wie ich erfuhr, ist es auf Mittelaltermärkten üblich, sich auch sprachlich an die Zeit anzupassen und mittelhochdeutsch zu reden. Das verstärkt das besondere Erlebnis.

Mein Fazit:

Ich kann jetzt nachvollziehen, warum ein Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt wie der in Siegburg einen besonderen Reiz ausübt. Gerade wenn es in der Winterzeit früh dunkel wird, bildet diese mittelalterliche Kulisse, idealerweise noch auf einem historischen Marktplatz mit Blick auf ein Schloss, Kloster oder eine Burg, zusammen mit Fackeln und Kerzen ein schönes Stimmungsbild.

Jetzt noch ein paar Schnappschüsse von meinem Besuch in Siegburg:

Es wundert mich nicht, dass der Anteil der mittelalterlichen Variante unter den Weihnachtsmärkten jedes Jahr wächst. Eine Übersicht der (angeblich) schönsten mittelalterlichen Weihnachtsmärkte habe ich auch gefunden. Vielleicht liegt auch einer in deiner Nähe.

Gehst du gerne auf den Weihnachtsmarkt? Welchen kannst du besonders empfehlen? Ich freue mich auf deine Tipps im Kommentarfeld unten.

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Fotos © Simone Blaschke