Irland war mein Reiseziel Anfang Juni und gleich am ersten Abend nach der Ankunft gingen wir in einen Irish Pub in Oughterard, eine halbe Autostunde nördlich von Galway an der Westküste. Der beste Weg, um mit Einheimischen in Kontakt zu kommen und eine schöne irische Kultur kennenzulernen. Die „Pubkultur in Irland“ ist deshalb mein Kultding des Monats.

Der Irish Pub ist das zweite Wohnzimmer der Iren

Während in Deutschland ein Kneipenbesuch in der Regel eher abends stattfindet und kleine Kinder zu Hause bleiben, ist das „Public House“ in Irland, von dem der Begriff Pub abgeleitet wird, das zweite Wohnzimmer der Iren. Hier spielt sich das soziale Leben ab und es ist völlig normal und üblich, dass man nach der Arbeit erst einmal auf ein, zwei Pint (1/2 Liter) oder Gläser Bier (Half Pint) in den Pub geht. Das können natürlich auch antialkoholische Getränke sein. Die Hauptsache ist die Geselligkeit und das soziale Miteinander.

Alt und jung, Arbeitskollegen, Paare oder Studenten, sie alle gehen in den Pub, um den Feierabend einzuleiten. Meistens wird es zwischen 17 und 19 Uhr richtig voll und danach gehen die meisten entweder zum Abendessen nach Hause oder erledigen, was sie sonst noch vorhaben. Genauso habe ich es in Oughterard, Galway, Clifden und Dublin erlebt. Sogar ganze Familien mit kleinen Kindern kamen am ersten Abend unserer Irlandreise ins „Powers Thatch“, ein beliebtes Pub in dem kleinen Ort Oughterard (Irisch gesprochen: Uckterad). Denn dort gibt es neben dem traditionellen Thekenausschank auch jede Menge leckeres Essen und alle sind versorgt. Man trifft Freunde und erfährt Neuigkeiten aus dem Dorf.

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Pubkultur im „Powers Thatch“ in Oughterard an der der irischen Westküste bei Galway.

Zur Pubkultur in Irland gehört Live-Musik

Gleich vorne im „Powers Thatch“ saßen die Musiker zwischen vollbesetzten Tischen und der Theke und spielten den typischen Irish Folk, wie er beinahe in jedem Pub mehrmals in der Woche zu hören ist. Denn zur Pubkultur in Irland gehört Live-Musik einfach dazu.

Eltern und Sohn bildeten ein eingespieltes Team, während im Pub der übliche Trubel weiterging. Bei bekannten Songs wie „The rising of he moon“ singen Einheimische gerne mal mit. Ansonsten summen sie fröhlich vor sich hin oder unterhalten sich einfach weiter. Wir fühlten und sofort wie zuhause und kamen mit einem älteren Ehepaar an der Theke ins Gespräch, die uns verrieten, dass sie aus London „ausgewandert“ sind und zwei Mal die Woche hierher kommen. Ziemlich schnell freundeten sie sich mit den Einheimischen an und sind jetzt Teil der dörflichen Gemeinschaft.

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Das zweite Wohnzimmer der Iren: Live-Musik im Irish Pub „Powers Thatch“.

Einige Bands, die einmal in einem urigen kleinen Pub anfingen, sind später weltbekannt geworden. Berühmtestes Beispiel sind die Dubliners. Aber auch der aktuelle Popstar Ed Sheeran, dessen Großmutter aus der irischen Grafschaft Wexford stammt, liebt Irland und lässt sich musikalisch von der grünen Insel inspirieren. Einer seiner populären Hits, passend zu meinem Aufenthalt, ist der Song „Galway Girl“.

Übrigens ist es vor allem in den Pubs auf dem Land durchaus noch üblich, sein eigenes Instrument mitzubringen und spontan mitzuspielen.

Selbst im kleinsten Dorf in Irland gibt es mindestens ein Pub

Am Anfang meiner einwöchigen Reise mit meinem Partner habe ich mir die Westküste rund um Galway angesehen und bin immer wieder auf die typisch bunten irischen Häuserfassaden gestoßen. Besonders die einladenden, oft mit Reetdach gedeckten kleinen Pubs haben es mir angetan. Oft gingen wir hinein und ich trank meistens ein „Half Pint“ (ca. 1/4 Liter) Galway Hooker. Das helle Bier schmeckt wirklich lecker. In Galway haben wir ein etwas bekannteres und größeres Pub, The Quay’s, ausprobiert. Über mehrere Etagen verteilen sich verschiedene Tresen in Ecken und Nischen. Dadurch hatten wir trotzdem das Gefühl, in einem kleinen, urigen Pub zu sitzen.

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Das Pub „The Quay’s“ in Galway ist von innen besonders schön.

Ganz gleich wie klein ein Ort ist, auf keinen Fall fehlt ein Pub. Unsere weitere Reise führte uns in den Südosten Irlands, in die Nähe des Wicklow Mountains National Parks südlich von Dublin, nach Avoca. Das ist ein wirklich, wirklich kleiner Ort und es ist ehrlich gesagt nichts los. Einzige Ausnahme: der örtliche Pub. Hier findest du selbst als Tourist Anschluss, denn abgesehen von ihrer Herzlichkeit sind die Iren äußerst neugierig.

Frage im Irish Pub nach lokalen Biersorten

Typischerweise denken die meisten bei Irland an Guinness, doch neben dem bekanntesten irischen Schwarzbier solltest du ruhig auch mal die große Auswahl „on tap“, also vom Fass, probieren. Es gibt nämlich noch andere Schwarzbiere wie Beamish oder Murphy´s. Ich mag zum Beispiel lieber Kilkenny, benannt nach der irischen Stadt im Südosten Irlands, oder ich frage den Wirt am Ausschank gerne nach lokalen Biersorten. Da gibt es jede Menge Leichtbiere, die auch weniger hart gesottene Biertrinker gut vertragen.

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Es muss nicht immer das klassische Guiness sein. In Irland gibt es viele Biersorten und es lohnt sich, verschiedene zu probieren (links: Hop House 13 Lager).

Wie viele Pubs es in Irland tatsächlich gibt, darauf legt sich keiner so richtig fest. Bei meinen Recherchen im Netz bin ich auf diese Zahlen gestoßen: Die Hauptstadt Dublin soll rund 800 Pubs haben, in ganz Irland sollen es über 10.000 sein. Im Endeffekt heißt das, es sind sehr, sehr viele. Im ältesten Pub von Dublin („The Brazen Head“ von 1198) soll sogar der legendäre Robin Hood einmal eingekehrt sein. Sicher ist, dass in den Handlungen der Werke bekannte irischer Autoren wie James Joyce, Samuel Beckett und Oscar Wilde ziemlich oft Pubs im Mittelpunkt stehen.

Irische Pubkultur längst nach Deutschland übergeschwappt

Ich kann gut nachvollziehen, warum sich die Pubkultur durch die irischen Auswanderer auch in anderen Ländern Europas und Übersee ausgebreitet hat. In Deutschland soll es rund tausend Irish Pubs geben, und ich war selbstverständlich schon oft und gerne im Pub. Im direkten Vergleich zu denen, die ich in Irland besucht habe, fällt mir allerdings auf, dass der soziale Aspekt im Mutterland der Pubkultur noch mehr im Vordergrund steht. Diese irische Tradition bleibt eben auf der grünen Insel beheimatet.

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The Dame Tavern in der Innenstadt von Dublin ist ein sehr beliebtes Irish Pub.

Kult-Tipps Pubs in Irland: Öffnungzeiten und Trinkgeld

Üblicherweise schließen die Pubs um 23:30 Uhr, sonntags um 23 Uhr. Allerdings variiert das je nach Ort und Größe. In der irischen Hauptstadt Dublin bleiben viele Pubs länger auf, während sie in kleinen Orten schon früher schließen.

Kurz vor Schluss kannst du die letzte Runde („Last order“) bestellen. Dann ist noch etwa eine halbe Stunde Zeit, die sogenannte „Drinking up time“, bevor der Pub endgültig schließt.

In reinen „Drinking Pubs“ wird kein Essen angeboten. Überall dort, wo du nicht am Tisch bedient wirst und dir deine Drinks am Tresen holst, brauchst du kein Trinkgeld geben. Gern gesehen wird es aber, wenn du ein paar Cent in die Sparschweine wirfst, die häufig auf der Theke stehen. Damit werden Spenden für Hilfsorganisationen, das örtliche Krankenhaus oder den Hundeverein gesammelt.

Welche Erfahrungen hast du in Irish Pubs gemacht? Wo hast du dich bei einem Pint Bier so richtig wohlgefühlt? Ich freue mich auf deine persönliche Pub-Empfehlung, nicht nur in Irland!

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Alle Fotos © Simone Blaschke