Utrecht – die coole Fahrradstadt in Holland

Anfang dieses Monats war ich in Utrecht. Die holländische Stadt habe ich aus einem ganz besonderen Grund besucht. Erst zwei Wochen zuvor wurde dort das größte Fahrradparkhaus der Welt eröffnet. Deshalb – und weil Utrecht auch sonst eine ziemlich coole Fahrradstadt ist – ist es mein Kultding des Monats.

Parkhaus für 12.500 Fahrräder

Bis vor kurzem rühmte sich Tokio noch, mit seinem 10.000 Stellplätze zählenden Fahrradparkhaus das größte der Welt zu sein. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl der Mega-City ist das aus meiner Sicht aber nichts im Vergleich zum neuen Spitzenreiter Utrecht. Die 350.000 Einwohner zählende viertgrößte Stadt der Niederlande läuft den Japanern jetzt locker den Rang ab. 12.500 Radstellplätze stehen dort seit kurzem direkt unter dem frisch renovierten Bahnhof auf 17.000 Quadratmeter und drei Etagen zur Verfügung. Der neue Bahnhof kann sich mit seiner luftig-futuristischen Architektur und der übersichtlichen und praktischen Aufteilung übrigens ebenfalls sehen lassen. Ich bin von allem extrem beeindruckt und sage dir auch, warum.

Optimale Lage am Hauptbahnhof

Fahrradfahrer können durch die direkte Lage unter dem Bahnhofshauptgebäude und dem futuristisch überdachten Außenbereich ganz easy Rad- und Zugfahren miteinander verbinden. Mit den neu hinzu gekommenen 5.000 Plätzen verfügt das Parkhaus jetzt über insgesamt 12.500 Stellplätze. Das heißt, rund um den Verkehrsknotenpunkt am Bahnhof gibt es jetzt insgesamt über 22.000 Radstellplätze. Da kann ich nur sagen: Wow!

Ein- und Ausfahrt per Rad ins größte Fahrradparkhaus der Welt unter dem Bahnhof von Utrecht.

Ein- und Ausfahrt per Rad ins größte Fahrradparkhaus der Welt direkt unter dem Bahnhof von Utrecht.

Umweltschutz für die Stadtbewohner

Utrecht investierte zusammen mit dem Staat, der Niederländischen Bahn und einem Infrastrukturunternehmen sagenhafte 30 Millionen für den Bau dieses Fahrrad-Parkhauses. Damit geht die Stadt ihren Weg gegen Staus und schlechte Luftqualität konsequent weiter. Wenn du in Utrecht herumläufst, merkst du sofort, hier dominieren das Fahrrad bzw. die Radfahrer das Verkehrsgeschehen. Die meist vom Autoverkehr getrennten Fahrradwege sind so breit, dass sich Radfahrer locker gegenseitig überholen können. Zudem dürfen kleinmotorige Zweiräder wie Roller ebenfalls die Fahrradwege nutzen.

Parkkosten im Fahrradparkhaus Utrecht

Auf meiner Stippvisite durch das Parkhaus habe ich mir alles genau angesehen. Für die Ein- und Ausfahrten zu jedem Stockwerk wurden Fahrradstraßen gebaut, man radelt quasi direkt zum ausgewählten Stellplatz. Ganz so, wie ich es bei uns nur vom Auto-Parkhaus kenne. Die Parkplätze sind je Etage farbig markiert und mit Nummern versehen. Einen Parkplatz teilen sich jeweils zwei Räder, eins unten, eins oben. Die jeweiligen Vorrichtungen sind per Hydraulik ganz einfach zu bedienen. Und das Beste: Die ersten 24 Stunden kosten keinen Cent. Erst danach zahlt man 1,25 Euro – am Tag! Eine Jahreskarte kostet 75 Euro.

Reparaturservice und Leihräder im Parkhaus

Genialerweise befindet sich im Gebäude eine Servicestelle für Reparaturen und Ersatzteile. Kommst du zum Beispiel morgens im Parkhaus an, um mit dem Zug weiter zur Arbeit zu fahren, kannst du dein Fahrrad während deiner Abwesenheit beim Reparaturservice abgeben und abends wieder abholen. Direkt nebenan stehen außerdem Leihräder bereit. Ideal für Besucher oder Geschäftsleute, die von außerhalb mit dem Zug ankommen und dann direkt weiterradeln möchten. Total gut durchdacht!

Utrecht hat das weltweit größte Fahrrad Parkhaus  #Kultding des Monats September 8

Im Fahrrad-Parkhaus von Utrecht befindet sich auch ein Service für Reparaturen und Leihräder.

Mein Fazit: Utrecht ist ein Paradies für Radfahrer. Vor allem in der Innenstadt werden Autofahrer sowohl bei Ampelphasen als auch bei Parkplätzen gegenüber Radfahrern bewusst benachteiligt. Freie Flächen werden – wir kennen das in Deutschland nur für Pkw-Plätze – zum Abstellen von Fahrrädern zur Verfügung gestellt. Der Parkwächter sorgt dafür, dass alles sicher ist und kassiert die „Parkgebühr“, die in der Regel nicht sehr hoch ist. Lediglich als Fußgänger muss man sich in Acht nehmen und sich an die hohe Präsenz der Radfahrer erst gewöhnen. Aber das mache ich wirklich gerne.

Zum Stadtbild in Utrecht gehören bewachte Parkplätze für Fahrräder. Foto: KULTREISEblog

Zum Stadtbild in Utrecht gehören bewachte Parkplätze für Fahrräder.

Was hältst du von dem fahrradfreundlichen Verkehrskonzept in Utrecht? Lässt sich das auch in Deutschland umsetzen? Ich bin gespannt auf deine Meinung, gerade weil aktuell so viel über die „Verkehrswende“ diskutiert wird. Schreibe mir deinen Kommentar dazu!

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Kultding des Monats #September 2019

Fotos © Simone Blaschke