[Gastblog]

Lissabon ist eine besondere Stadt. Schön und an manchen Stellen ein bisschen morbide. Genau diesen Gegensatz liebt meine Freundin Sabine an dieser westlichsten aller europäischen Hauptstädte. Sie war schon oft da und hat auch länger dort gelebt. Etwas hat sie immer besonders fasziniert: Lissabons Keramikfliesen. Ich habe sie eingeladen, in meinem Blog über diese Fliesenkunst in Lissabon zu berichten. Begleite sie zu ihren Lieblingsplätzen auf diesem besonderen Stadtrundgang durch Lissabon.

Außen und innen: Portugiesische Fliesenkunst im „A Vida Portuguesa“ in Lissabon (Infos s.u.).

Azulejos – die typischen Kacheln in Lissabon

Die Azulejos prägen das Stadtbild Lissabons. Man findet sie auf Häuserwänden, in begrünten Innenhöfen, in Kirchen, in Treppenhäusern, in Geschäften, Cafés und Restaurants, einfach überall. Mal leuchten die Muster gelb oder himmelblau, mal in allen Farben bunt gemischt. Auf jeden Fall sind sie schön anzusehen und machen mir gute Laune. Aber was sind eigentlich Azulejos? Ganz einfach: der portugiesische Name für Keramikfliesen. Auf Portugiesisch schön weich ausgesprochen mit dem typischen SCH-Laut <Asuleischus>. Das Wort hat einen arabischen Ursprung, haben doch die Mauren einst die ersten Keramikfliesen nach Portugal gebracht.

Kleine Auswahl bunter oder zweifarbiger Fliesen.

Station 1: Keramikfliese mit Porträt von Fernando Pessoa

Vom „Praça do Comércio“ zum Café „Martinho da Arcada“

Mein Spaziergang beginnt an einem der prächtigsten Plätze Lissabons, dem „Praça do Comércio“. Als erstes überquere ich diesen riesigen lichtdurchfluteten Ort und gehe direkt ans Ufer des Flusses Tejos. Das nur wenige Kilometer entfernte Meer kann man hier fast riechen. Auf der anderen Seite des Platzes – vom Fluss aus betrachtet im rechten Teil der Arkaden – sehe ich schon das „Martinho da Arcada“. Es ist eines der ältesten Cafés Lissabons und existiert bereits seit 1782.

Porträt von Fernando Pessoa auf den Fliesen im Café Martinho da Arcada

Fernando Pessoa, der wohl berühmteste Sohn Lissabons, ein einzigartiger Dichter und Schriftsteller, war in diesem Café Stammgast. Tagsüber arbeitete er als Buchhalter und nachts schrieb er. Da sein Büro ganz in der Nähe lag, kam er nach Feierabend oft zum Schreiben hierher. Sein Porträt wurde auf den Azulejos verewigt.

Ich bestelle direkt am Tresen eine „Bica“. So nennen die Lissabonner liebevoll ihren „Espresso“. Er wird, ähnlich wie in Italien, selten zu Hause, sondern meistens unterwegs in einem der vielen Cafés getrunken. Zu essen ordere ich einen „Bolo de Arroz“, eine Art Reiskuchen. Wer das nicht mag, zeigt einfach auf eines der vielen anderen süßen Wunder der portugiesischen Backkunst in der Vitrine. Rechts vom Tresen geht es in das eigentliche Restaurant, in dem du feinste portugiesische Gerichte und tolle portugiesische Weine bekommst.

  • Portugiesisch für Anfänger: „Uma bica por favor.“ Deutsch: Einen Espresso bitte. (gilt nur in Lissabon)

Station 2: Häuserfassaden mit Azulejos in der „Baixa“

Zur Rua Augusta, der Fußgängerzone in der Unterstadt (Baixa) und weiter in die Oberstadt

Entlang der Arkaden gehe ich bis zum großen Triumphbogen und biege dann rechts in die „Rua Augusta“ ein, eine belebte Fußgängerzone mit Cafés, Restaurants und Geschäften. Wir sind nun im Herzen Lissabons, der Baixa, was so viel wie Unterstadt bedeutet.

Am Ende der Straße halte ich mich links, um dann über die „Rua do Carmo“ langsam von der Baixa in die Oberstadt, das sogenannte Bairro Alto zu spazieren. Nach etwa 100 Metern biege ich rechts in die „Rua Garrett“ ein. Jetzt heißt es: Augen auf und staunen, denn hier finden sich viele schöne Häuserfassaden mit unterschiedlichen Fliesenmotiven.

Kacheln an den Häuserfassaden in Lissabons Innenstadt.

Am Ende der „Rua Garrett“ taucht das Café „A Brasileira“ auf, ein Ort mit ganz eigenem Charme und heutzutage ein großer Touristenmagnet. Meiner Meinung nach rösten sie dort den besten Kaffee Lissabons. Also schnell rein ins Café und an der Theke einen Espresso trinken. Ganz wie die Einheimischen.

Station 3: Portugiesisches Brauhaus mit Azulejos-Gemälden

Von der Rua Garrett zur Rua Nova da Trindade

Gleich nach dem Café „A Brasileira“ biege ich die zweite Straße rechts in die „Rua Nova da Trindade“ ab. Ein paar Schritte laufe ich recht steil bergauf. Schon stehe ich vor einer der ältesten Brauereien Lissabons und dem dazugehörigen Restaurant „Cervejaria da Trindade“. Der Besitzer ließ die Wände der großen Räume mit wunderschönen riesigen Azulejos-Gemälden verkleiden, darunter auch mit Bildelementen der vier Jahreszeiten. Im Inneren ist es laut und geschäftig. Serviert wird traditionelle portugiesische Hausmannskost. Wer’s so mag wie ich, isst dort „Bacalhau à Bras“, also Kabeljau mit Kartoffeln, Zwiebeln und Ei, im Ofen überbacken.

  • Portugiesisch für Anfänger: Uma cerveja por favor = Ein Bier bitte; Um imperial por favor = Ein Bier vom Fass bitte!

Station 4: Historische Azulejos kaufen

Unter den Platanen weiter zur Rua Dom Pedro V. Hausnr. 70

Nach dem Essen suche ich mir nicht weit von der Cervejaria da Trindade entfernt ein schattiges Plätzchen unter Platanen auf einem der schönsten Plätze Lissabons. Vom „Miradouro São Pedro de Alcántara“ sieht man gegenüber die Burg, die Altstadt „Alfama“, rechts unten die Baixa und natürlich den Tejo, dessen Wasser im Sommerlicht zu tanzen scheint.

Gut ausgeruht gehe ich ein paar Schritte weiter in die „Rua Dom Pedro V.“. Dort steht das Haus mit der Nummer 70.  Darin ist ein einzigartiger Laden untergebracht, in dem unglaublich viele schöne antike Azulejos zur Auswahl stehen. Doch selbst wer nichts kaufen möchte, es macht einfach nur Spaß, die großen und kleinen gemalten Fliesen-Kunstwerke einer längst vergangenen Zeit in diesem wunderschönen Laden zu bestaunen.

Historische Fliesenkunst in der Rua Dom Pedro V. Nr. 70 in Lissabon.

Station 5: Am Ende noch ein Schlückchen Portwein

Von der Rua Dom Pedro V. zum Portwein-Institut

Nur ein paar Schritte entfernt, die Straße runter, ist das Portwein-Institut (Eintritt kostenlos) beheimatet. Im „Palácio Lodovice“ (Rua Sao Pedró de Alcantara 45) kannst du über 200 verschiedene Portweine zu moderaten Preisen probieren. Selbst ein Glas 20 Jahre alter Portwein kostet nur um die 5 Euro.

  • Portugiesisch für Anfänger: Um vinho do Portoor favor = Einen Portwein bitte!

KULT-TIPPS im Überblick

  • Café und Restaurant: Martinho do Arcada, Praça do Comércio 3, Lisboa
  • Buch von Fernando Pessoa: Ein anarchistischer Banker. Ein ganz ausgefallenes Abendessen. Verlag Klaus Wagenbach.
  • Cerverjaria da Trindade, Rua Nova da Trindade 20
  • Solar, Rua Dom Pedro V, Nr. 70: In diesem Laden finden Liebhaber antike portugiesische Fliesen vom 15. Jahrhundert bis in die Neuzeit.
  • „Solar do vinho do Porto“ Portwein-Institut: Rua Sao Pedro de Alcantara 45. Schönes Clubhaus für eine Portweinprobe. Über 200 verschiedene, auch sehr alte Portweine zu moderaten Preisen.
  • Portugiesisches Kunsthandwerk im „A Vida Portuguesa“ (s. Foto/Prachbau oben)

Die Fahrt mit der alten Standseilbahn von Lissabon bildet den Abschluss meines besonderen Stadtspaziergangs durch Lissabon. Gleich gegenüber des Instituts befindet sich die Haltestelle der Gloria-Bahn, dem „Elevador da Gloria“. Mit dem Bähnchen ruckelt man dann – beschwingt vom Portwein – sicher in die Unterstadt zurück. Dort endet mein Spaziergang.

Dauer des Azulejos-Spaziergangs durch Lissabon: ca. 3 bis 4 Stunden (inklusive Aufenthalt in den Cafés, Restaurants, Institut und Shop)

EXTRA-TIPP: Fliesenkunst in der Metro

An einigen Haltestellen der Metro in Lissabon haben Künstler moderne Fliesenkultur geschaffen. Fahr einfach mit der U-Bahn und steige zum Beispiel an diesen Metro-Stationen aus:

  • Cais do Sodré: Fliesenkunst des Malers Pedro Morais
  • Oriente: 10 Künstler aus verschiedenen Kontinenten haben das Thema „Ozeane“ auf Azulejos dargestellt.
  • Parque: Eine französische Künstlerin namens Françoise Schein hat sich hier mit einem Fliesen-Rausch in verschiedenen Blautönen mit dem Thema der „Portugiesischen Entdeckungen“ beschäftigt.
  • Cidade Universitária: Hier siehst du reproduzierte Bilder von der bekannten portugiesischen Künstlerin Helena da Viera da Silva.

Wenn du noch mehr über Lissabon und seine besonderen Orte von Sabine wissen möchtest oder Hilfe bei der Reiseplanung brauchst, schreibe hier einen Kommentar! Wir freuen uns darauf!

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Alle Fotos © Sabine Kopp